Gipfel der Schüchternheit

Die Karlsruher Selbsthilfegruppe organisierte ein Treffen für Betroffene der Sozialen Phobie unter dem sympathisch ausgewählten Banner „Gipfel der Schüchternheit“. Alle über E-Mailverteiler zusammengeschaltet, einigten wir uns auf Sonntag, den 9. Juni 2013 um 11 Uhr.
Für uns hier in Wiesbaden hieß es, wie für viele, und besonders die SP-Gruppe aus Biberach mit einem Anreiseweg von 200km, früh loszufahren. Meine Wenigkeit bequemte sich schon um die ungnädige Zeit von 7:30 Uhr aus dem gemütlichen Bett. Umso schwerer fiel es mir beim Gedanken daran, dass ein Karlsruher Sonntag mit 80% Regenwahrscheinlichkeit auf uns wartete. Jedoch überwog die Neugier auf das Event, so dass ich ratzfatz eine Kleinigkeit gefrühstückt im Auto saß und gen Karlsruhe aufbrach. In Mainz ein kurzer Stop, einen Mitbetroffenen abholen, bei Darmstadt noch der für 10 Uhr angepeilte Umstieg und Mitfahrt von zwei weiteren Betroffenen, und weiter ging es durch ergiebige Regenschauer zur freimauerersymbolstrotzenden Stadt der Verfassungshüter.
Im Vorfeld hatte ich schon die zum Treffpunkt nächstgelegenen, kostenlosen Parkplätze mir vorbereitet, wo wir auch prompt Parkplätze fanden und schnurstraks Richtung Alex losstapften. Natürlich bewaffnet mit den Regenschirmen. Bis kurz vor Karlsruhe hatte es noch geregnet und die 80%, ihr wisst schon …
Auf direktem Weg im Alex angekommen, war schon eine Heerschar mit Namensschildern markierter SP’ler fleißig am Schlemmen und Gespräche führen. Auch wir folgten dem Tun so wie auch die etwa 30 Minuten nach uns angekommenen Biberacher, die sich zu uns an den Tisch setzten. Insgesamt vereinnahmten nun 50 SP’ler den Großteil des Lokals. Wir beschnupperten uns, tauschten Informationen, wer von wo kommt, wie wer was macht, und dazu gab es ein reichhaltiges All-You-Can-Eat-Buffet für etwas über 10 Euro, wo es selbst für mich als Veganer, ein reichhaltiges, „unversautes“ Angebot gab. Als Begrüßung gab es übrigens ein Gläschen Orangensaft, der auf’s Haus ging.
Das Ganze ging bis etwa 14 Uhr, wonach die Karlsruher Gruppe den nächsten Programmpunkt anstieß, nämlich eine zufällige Paarung führt ein vorgegebenes Frage-Antwort-Interview, in der das Selbsthilfegruppenleben beleuchtet wurde. Welche Bedeutung die Selbsthilfegruppe für einen hat, was man gut oder weniger gut findet, was einem weiterhilft, gemeinsame Aktivitäten, uvm..
Im Anschluss wagten wir uns ins Freie, denn Julian hatte ein SWR-Team einbestellt, die wir bei einer Kunstaustellung treffen wollten. Regenschirm in der Hand, lachte uns die Sonne ins Gesicht – oder doch aus? Jedenfalls war von 80% Regenwahrscheinlichkeit nicht die Spur, sondern eher ein schöner Sommertag, der zum Spazieren einlud! So genossen wir die 50-köpfige Wanderung durch tolle Karlsruher Gassen bei weiteren interessanten Gesprächen bis wir am Ziel waren.
Dort angekommen, war kurz darauf auch das SWR-Team da. Sie machten Aufnahmen von der ganzen Gruppe, wovon sich viele mit dem Rücken zur Kamera positionierten und so taten als wären sie im Gespräch. Danach wurden Interviews gedreht. Das Ganze zog sich von etwa 15 oder 15:30 Uhr bis kurz vor 17 Uhr, als wir das Interviewgeschehen in der Kunstaustellung mittendrin auch schon verlassen mussten, denn so war das mit einem Mitfahrer vorher abgesprochen gewesen.
Wir verabschiedeten uns und machten uns auf und zurück zum Wagen. Die ganze Zeit über bis nach Wiesbaden begleitete uns das gute Wetter noch. Wer hätte gedacht, dass die Teller brav leer zu essen tatsächlich hilft! Ich hatte mich aber auch mit etwa 4 Tellern besonders angestrengt.
Es war ein gelungener, kurzweiliger Gipfel und ich würde mich freuen, wenn es das öfter gäbe. Wie wäre es mit einem ganzen Wochenende, eingemietet in einer Jugendherberge? Wir bleiben dran!

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